Wie ein kürzlich im Journal of Clinical Periodontology (JCP) veröffentlicher Beitrag zeigt, ist es für Patienten, die nicht sachgerecht mit Zahnseide umgehen können, sinnvoller, die Zahnzwischeräume mit Interdentalraumbürstchen zu reinigen. Nicht nur zur Vorbeugung von Zahnbettinfektionen (Parodontitis), sondern auch zur Verhütung von Infektionen rund um das Implantat ist eine sorgsame Mundhygiene auch in eher versteckten Bereichen wichtig. Zahnfleischbluten kann ein erstes Signal für eine beginnende Entzündung sein. Vorbeugend sorgen spezielle Mundhygiene-Hilfsmittel für Sauberkeit: Zahnseide, die es in vielen Breiten und Beschichtungen gibt, und Zahnzwischenraumbürstchen („Interdentalraumbürstchen"), die ebenfalls in vielen Größen und Formen zur Verfügung stehen und damit dem individuellen Bedarf entgegenkommen. Die Autoren des wissenschaftlichen Beitrags gehen davon aus, dass ungeübten Patienten der Umgang mit den kleinen Bürstchen leichter fällt als das „Fädeln" mit der Zahnseide, zudem kann das Zahnfleisch bei unsachgemäßer Führung der straffen Zahnseide verletzt werden. Zahnseide sei eher für die geschulten Prophylaxeteams in den Zahnarztpraxen geeignet.
Im Mund leben hunderte Bakterienvölker, die die unterschiedlichesten Aufgaben haben. Einige von ihnen werden als krankheitsfördernd oder –auslösend bezeichnet, dazu gehört die Gruppe der Streptococcus mutans-Bakterien. Sie sind hauptverantwortlich für Karies-Schäden an den Zähnen. Da manche Bakterien-Völker andere zu verdrängen suchen, müssen die Bedrängte sich dagegen wappnen. Wie das die Karies-Bakterien machen, hat jetzt eine Forschergruppe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig entdeckt: Mittels spezieller Signalstoffe konnten sie zeigen, wie Bakterien fremde DNA (Träger der Erbinformation) erkennen und aufnehmen. So ausgerüstet, konnten sie nicht nur besser im Verdrängungswettbewerb bestehen, sondern sogar Stoffe ausscheiden, die andere Bakterien vernichten. Diese Fähigkeit, so die Forscher, trägt vermutlich mit dazu bei, warum gerade die Gruppe der Streptococcus mutans-Bakterien eine so starke Rolle im Biotop Mundhöhle spielt. Die Forscher suchen nach Möglichkeiten, dieser Verbreitung gezielter entgegenwirken zu können.
Bei „etwa jedem zweiten Patienten hat sich der Kieferknochen zurückgebildet, weil Zähne schon länger fehlen": Darauf wies die Stiftung Warentest im Oktober in einem langen Beitrag rund um Zahn-Implantate hin. Wenn nicht genügend Kieferknochen vorhanden ist, findet das Implantat, das die Wurzel des verloren gegangenen Zahnes ersetzt, nicht genügend stabilen Halt finden. Ob ausreichend Knochenstärke vorhanden ist, erkennt man nicht immer von außen durch einen Blick auf die Situation: Meist ist ein Röntgenbild nötig, um sich ein klareres Bild zu verschaffen. Hier wird dann meist auch rasch deutlich, ob eventuell „vor dem Einsetzen ein Knochenaufbau nötig ist", so Stiftung Warentest in ihrem Journal „test". Wenn fehlendes Knochenmaterial ersetzt werden muss, stehen heute verschiedene Verfahren und Produkte zur Verfügung. Ihr Einsatz ist abhängig davon, wie groß der Knochenverlust ist, wo er am weitesten fortgeschritten ist und welche Aufgabe das Knochenersatzmaterial übernehmen muss. Manchmal werden auch erschiedene Verfahren kombiniert. Erfahrene Implantologen können die Patienten über Chancen und Risiken der unterschiedlichen Produkte und chirurgischen Maßnahmen fundiert aufklären.
Schnarchen ist ein weit verbreitetes Phänomen, das nicht nur zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Bett-Nachbarn führen kann, sondern auch für den Schnarchenden selbst: Atemaussetzer und kleine „Erstickungsanfälle", die das Gehirn mit Weckimpulsen bekämpft, führen zu Schlafstörungen und können die Gesundheit auf vielerlei Art beeinträchtigen, von chronischer Müdigkeit über Depressionen und einem höheren Diabetes-Risiko bis hin zu Herzerkrankungen. Manche Schnarch-Risiken lassen sich vermeiden, dazu gehören Übergewicht, zuviel Alkohol oder auch Schlafen in Rückenlage. Wenn Gewichtsverlust, eine andere Schlafposition und Alkoholverzicht nicht helfen, können Zahnärzte eine gute Anlaufstelle sein. Wie ein kürzlich veröffentlichter Patientenratgeber der Landeszahnärztekammer Brandenburg zeigt, können sie in vielen Fällen für Abhilfe sorgen. Wenn der Körper schläft, erschlaffen viele Muskeln – auch die der Atemwege. Das kann zu verengten Atemwegen und in der Konsequenz Luftnot führen. Hauszahnärzte oder in Schnarchbehandlung fortgebildete Zahnärzte können mit Apparaturen wie beispielsweise einer Doppel-Zahnschiene die Zunge in eine vorverlagerte Position bringen und die Atemwege damit freier halten.
Während Karies in Europa in den zurückliegenden Jahrzehnten aufgrund vielfältiger Maßnahmen deutlich eingedämmt werden konnte, haben veränderte Ernährungsgewohnheiten und Lebensstile zu anderen Zahnerkrankungen geführt, die heute die Patienten, Zahnärzte und Krankenkassen erheblich beschäftigen. Dazu gehören säurebedingte Schädigungen der Zahnoberfläche („Erosionen"). Wie die kürzlich veröffentlichte „Europastudie zu Überempfindlichkeit und Säureschäden" zeigt, an der sich rund 3200 Zahnärzte und Patienten sowie Forscher aus sieben europäischen Ländern beteiligt haben, sind die von den Patienten bei Tests mit kaltem Luftstoß geäußerten Schmerzen deutlich stärker, als diese bei einer Befragung im Vorfeld selbst eingeschätzt hatten. Die in Zusammenarbeit mit der Universität Bern/Schweiz durchgeführte Studie zeigte nicht nur Auslöser von Säureschäden (Säfte, säurereiches Obst, Sodbrennen, häufiges Erbrechen u.a.) und ihre Folgen auf (Schmelzkristalle werden aus der obersten Zahnschmelz-Schicht herausgelöst), sondern korrigierten auch eine Verhaltensempfehlung: Demnach sollte man nicht mehr, wie in früheren Jahren empfohlen, einige Zeit nach Zahnkontakt mit sauren Produkten mit dem Zähneputzen warten, um weitere Schmelzkristall-Verluste zu vermeiden. Es hat sich gezeigt, dass die Schmelzschäden mit der Wartezeit sogar größer wurden. Die neue Empfehlung: Unmittelbar nachdem Essen bzw. Trinken Zähne putzen. Bei häufigem Erbrechen allerdings sollte auf das Zähneputzen gleich danach verzichtet du der Mund nur ausgespült werden.
Vielen Patienten ist nicht klar, was ein Mundwasser von einer Mundspülung unterscheidet. Es handelt sich um zwei verschiedene Produkte für jeweils unterschiedliche Aufgaben. Ein Wundwasser, so informierte kürzlich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, hat rein kosmetische Aufgaben: Beigemischte Essenzen aus Kräutern oder ätherische Öle sorgen für eine Erfrischung des Mundes und können kurzfristig auch dem Atem verbessern – allerdings verflüchtigen sich diese Stoffe schnell. Da es sich um „kosmetische Produkte" handelt, müssen Hersteller deren Wirkung nicht belegen Eine ganz andere Aufgabe haben Mundspüllösungen: Ihre Rolle ist eher medizinisch. Das heißt, sie haben eine Wirkung, die der Hersteller nachweisen muss. Besonders verbreitet sind Mundspül-Produkte mit Chlorhexidin. Wie eine Studie der Universität Jena zeigt, ist dieser Wirkstoff hilfreich bei der Reduzierung bestehender Zahnbeläge und bremst auch die Entwicklung neuer „Plaque". Weniger stark wirken Mundspülungen mit Zinn- und Aminfluorid, diese verfärben die Zähne aber auch weniger als Chlorhexidin-Produkte nach längerem Gebrauch. Anhänger naturheilkundlicher Angebote können eine Kombination aus Kamille und Schafgarbe nutzen: Ihre milde medizinische Wirkung hat eine Studie an einem Dresdner Klinikum bestätigt.
Vor wenigen Wochen hat die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „test" in einem ausführlichen Beitrag zu Zahn-Implantaten darauf hingewiesen, dass sich Patienten ihren Operateur, der bei ihnen die geplanten Implantate setzt, gut auswählen sollten. Das Einsetzen der Implantate erfordere „Geschick und Erfahrung". Nicht jeder Zahnarzt, der beispielsweise Familien behandelt, ist zugleich fundiert ausgebildet in anspruchsvolleren chirurgischen Aufgaben. Der Beitrag im „test"-Journal wies darauf hin, dass der eigene Zahnarzt in solchen Fällen daher meist an einen Spezialisten überweist, der die Implantate setzt – um sich dann „selbst um den Zahnersatz oben drauf und die weitere Versorgung" zu kümmern. Eine weitere wichtige Empfehlung erging an die Patienten: „Implantat gut pflegen". Da Implantate eine gute Reinigung benötigten, sollte man sich von seinem Zahnarzt genau zeigen lassen, wie die jeweilige Implantat-Versorgung am besten sauber gehalten wird. Da es sehr verschiedene Formen von Konstruktionen gibt, die Implantat und die „dritten Zähne" verbinden, sind spezifische Anleitungen notwendig und eventuell auch spezielle Mundhygienehilfsmittel, die das Sauberhalten des Implantatbereiches erleichtern.
Es hat sich erfreulicherweise schon in der Bevölkerung herumgesprochen: Mundgesundheit und Allgemeingesundheit gehören zusammen, sie beeinflussen sich gegenseitig – im Positiven wie auch im Negativen. Besonders deutlich wird das bei der Parodontitis: Das Gewebe zwischen dem Zahn und seinem Knochen-Bett ist entzündet. Dieses Gewebe ist durch viele Blutgefäße mit dem Gefäßsystem des ganzen Körpers verbunden. Krankmachende Bakterien aus dem Bereich rund um den Zahn gelangen über diese Transportwege an verschiedenste Stellen des Körpers, sie können Infektionen verstärken (zum Beispiel am Herzen) oder auch Krankheiten wie Diabetes begünstigen. Es gibt, machte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, in einem Zeitungsinterview kürzlich deutlich, aber auch den umgekehrten Weg: Aktuelle Forschung deutet an, dass beispielsweise Rheuma und auch Osteoporose mitbeteiligt sein können an der Entstehen einer Parodontitis und auch an deren Verlauf. Um Parodontitis zu vermeiden, wurde nicht zuletzt älteren Patienten empfohlen, passende Zahnbürsten zu nutzen (oft hilfreich: elektrische Modelle), die sie gut halten können – und den Umgang mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen zu üben, um auch die versteckten riskanten Beläge zwischen den Zähnen zu entfernen.